Ursprung und Entstehungsgeschichte
des Zombie
"Ein
Zombie steht an der Schwelle zum Tod, und für alle Völker ist
der Tod der größte Lehrer, der grösste Schmerz, die Grenze,
an der das Leben,
so, wie wir es kennen, aufhört und das Ungewisse beginnt." (E.Wade
Davis,"Schlange und Regenbogen" )
"Ein
Zombie ist eine fiktive Gestalt, ein zum Leben erweckter Toter (Untoter)
oder eine umherirrende Seele. Der Begriff leitet sich offenbar von dem
Wort Zumbi aus einer zentralafrikanischen Sprache ab und bezeichnet
ursprünglich einen Totengeist."(Wikipedia)
1. Gegenwart des Zombie
Zombies in der Philosophie
In
der Philosophie sind Zombies hypothetische Wesen ohne Bewusstsein, die
sich jedoch wie Menschen verhalten. Man unterscheidet
Zombies,
die von einem echten Menschen äußerlich nicht unterschieden
werden können, oder Zombies, die zwar nach dem gleichen
Bauplan
wie ein echter Mensch gebaut sind, jedoch z. B. aus anderen Materialien.
Beispiel: Bei einem Menschen werden sukzessive alle
Nervenzellen
durch siliziumbasierte Mikrochips ersetzt, die exakt die gleiche Wirkungsweise
wie eine Nervenzelle haben (die Frage der
technischen
Machbarkeit wird dabei bewusst außen vor gelassen).
Das
Wesen des Todes ist die Trennung eines unfassbaren, lebensspendenden Prinzips
vom sterblichen Körper und wie eine Kultur diese
unerbittliche
Trennung versteht oder zumindest erträgt, bestimmt in hohem Maße
ihr mystisches Weltbild. "Wenn es Zombies gibt, dann
müssen
die Glaubensgrundsatze, die dieses Phänomen ermöglichen, im innersten
Wesen des haitischen Menschen verwurzelt sein."
Philosophische
Zombies spielen eine Rolle in diversen Bewusstseins- und Gedankentheorien.
(Wikipedia)
Zombies im Internet
Als
Zombie bezeichnet man auch einen am Internet angeschlossenen Computer,
der durch Würmer, Viren, Trojaner, direkte Angriffe oder
ähnliches
unter die Kontrolle eines Crackers gebracht worden ist. Häufig sind
die Anwender sich nicht darüber bewusst, dass ihr Computer als
Zombie
missbraucht wird, oder es fehlt am nötigen Wissen, um die Nutzung
als solchen zu unterbinden. Zombiesysteme werden unter
anderem
dazu genutzt, Spam-Mails zu verbreiten, Angriffe im Internet zu koordinieren,
weitere Zombies zu erschaffen oder als Tarnung für
Attacken
zu fungieren. Es gibt im Internet große Ansammlungen solcher Computer,
man spricht von "Zombie-Farmen" oder "Botnetzen". Es
wird
berichtet, dass man solche Farmen bei entsprechenden Crackern "mieten"
kann, um z. B. Spam-Mails in großer Zahl zu verbreiten.
Schätzungen
über die Zahlen aktiver Zombiesysteme gehen bis in die zweistellige
Millionenhöhe. (Wikipedia)
Zombies in den Medien (allgemein)
Zombies
werden oftmals als Schreckensfiguren in Horrorfilmen, in entsprechenden
Comics oder Computerspielen dargestellt. Sie sind
meistens
tumb umherirrende Untote mit Hunger auf Menschenfleisch.
Der
erste Film über Zombies war Victor Halperins White Zombie, in dem
die Darstellung der wandelnden Untoten noch sehr dem
Voodoo-Glauben
der Arbeitssklaven entspricht. Im Film I walked with a Zombie - Ich ging
mit einem Zombie von Jaques Tourneur ist der
Zombie
eine fast traurige, friedliche Gestalt. Erst die bekannten Filme von George
A. Romero, wie Die Nacht der lebenden Toten und
Dawn
of the Dead, machten die Figuren zu fleischfressenden Horrorfilm-Monstern.
Mittlerweile sind Zombies fester Bestandteil der Popkultur.
Der
Zombiefilm bildet ein eigenes Subgenre. In den letzten Jahren zeichnet
sich der Trend zu einer neuen Interpretation des Zombiestoffs
ab;
anstatt tumb umherzuirren, sind die "neuen" Zombies erstaunlich schnell
und zielgerichtet.(Wobei das Ziel dasselbe bleibt -
Menschenfleisch).
Stilbildend wirkte dabei der Film 28 Days Later.
Die
Zombies der neueren Filme ähneln immer mehr älteren Vorstellungen
von lebenden Toten. Als Videospiel, das die Zombie-Thematik
behandelt,
ist besonders Resident Evil, dem auch zwei Spielfilme: "Resident Evil"
und "Resident Evil: Apocalypse" folgten, sehr bekannt.
(Wikipedia)
Zombies in der Elektronischen Datenverarbeitung
Ein
Zombie ist vor allem in Unix-ähnlichen Betriebssystemen (wie z. B.
Linux) ein Programm, das nicht mehr läuft, das aber trotzdem noch
in
der Tabelle der laufenden Programme steht. (Wikipedia)
1.2.
Unterschiedliche bewertete Interpretationen des Zombie
In der
modernen Rezeption erfährt der Zombie gegensätzliche Bedeutungen,
die jedoch beide von dem einen Bild des Zombie ausgehen:
Dem
Bild eines lebenden Toten, dem über das physische Exististeren hinaus
kein zusätzlicher individalistischer Impuls eigen ist.
Dieses
Charakteristikum des Zombies wird dann auf verschiedene gesellschaftliche
Schichten angewendet und unterschiedlich bewertet.
In
negativ bewerteter Deutung: Der eines subjektiven Willens ledige und amoralisierte
Befehlsausfüher einer höheren Macht (z.B. der
Justiz-Beamte
eines totalitären Regimes) gilt mitunter als Moral-Zombie, während
bestimmte Formen von Industriearbeitern die lebenden
Toten
der Industriegesellschaft darstellen. Als entindividualisierte, auf ihre
industriell verwertbaren Körperfunktionen reduzierte Masse
bilden
sie das menschliche Material einer Ökonomie, die für ihre Reproduktionsprozesse
lebende Tote wie mechanisch funktionierende
Produktionsmaschinen
einsetzt. Ein individueller Charakter und Willen ist für die
Ausübung dieser Arbeiten nicht nötig.
Eine
positiv akzentuierte Bedeutung der Deindividualisierung bekommt der lebende
Tote bei der Identifikation mit seiner bloßen
körperlichen
Funktionalität. Der Indifferenz gegenüber Moralität und
zielgerichteten Willen, gegenüber jedweder Ausprägung eines
originären
Charakters des Einzelnen schreibt man die "Magie" der Freiheit von Absicht,
Meinung und individualistischem Ego zu, die nur
denen
zuteil werden kann, deren Verhalten nicht mehr von den -der persönlichen
Sinngebung unterworfenen- Vorstellungen und den
reduktiven
Begierden des Lebens bestimmt ist. Denn Leben birgt nicht die Möglichkeiten
wählbarer gravierender Qualitätssprünge,
sondern
ist immer gesellschaftlich determiniert und deshalb per se eingeschränkt.
Der
Absichts- und Ego-Verlust auf der Ebnene des (aufgegebenen) Willens potentiert
den eigentlichen (und nicht beabsichtigten
Ego-Gewinn.
Da der lebende Tote nichts zu verlieren hat, bewegt er sich frei und gewinnt
dadurch ständig hinzu.
Weil
sein Wille abgestorben ist, ist er unbeeinträchtigt von Abhängigkeiten
eines von bornierten Wünschen bestimmten
reduktiven
und qualitativ normierten Egoismus.
Die
willenlose Welt des Zombie ist "immun" gegenüber den Bedingungen und
Gefahren eines durch Moral, Wille, Absicht, Emotion und
Individualität
determinierten Lebens. Da der Zombie bestimmte Repräsentationsformen
des Fleischs und der Seele verloren hat, ist er
auf
diesen Gebieten auch nicht mehr zerstörbar.
1.3.
Zombies in den Medien (konkret): " Dawn of the Dead"
In dem
Splatterfilm " Dawn of the Dead" bevölkern Zombies die Straßen
der Städte. Es herrscht Chaos und Anarchie. Gesetzlose plündern
und
morden, das Kriegsrecht wird ausgerufen. Polizei und Armee gehen mit aller
Härte gegen die zügellose Gewalt vor während die
Menschen
ohne Rücksicht auf Andere versuchen ihr Leben zu retten. Der Hubschrauberpilot
Steve Andrews, seine Freundin, die Leiterin
eines
TV-senders, Francine Parker und zwei Beamte eines Sondereinsatzkommandos,
Roger DeMarco und Peter Washington, flüchten
gemeinsam
in einem Helikopter. Auf ihrer Flucht landen sie bei einem Zwischenstopp
auf dem Dach eines Einkaufszentrums und erkennen
schnell
die strategisch günstige Lage des Gebäudes. Sie verbarrikadieren
sich im Innern der "Shopping Mall" und säubern das Gebäude von
Untoten.
Beim Sichern der Außentüren wird Roger von einem Zombie angefallen,
"stirbt" bald darauf und verwandelt sich selbst in einen
Zombie.
Später wird das Einkaufszentrum von einer Bande herumstreunender Gesetzloser
gestürmt und geplündert. Bei der Verteidigung
wird
Steve verwundet und ebenfalls von Zombies angefallen, auch er "stirbt"
daraufhin. Zuletzt flüchten Francine und Peter aus der nun
ausweglos
gewordenen Lage mit dem Hubschrauber, in eine gleichfalls völlig ungewisse
Zukunft.
In einer
Welt, die sich nur durch das allumfassende Begreifen der sie einschließenden
Ereignisse selbst begreift und ihrer Realität
versichert,
stellt das Unfassbare des Todes eine untröstbare Lücke dar. Mit
dem Verlust symbolischer Rituale in der modernen Welt
verliert
auch das zur "Aufarbeitung des Unbegreiflichen"(des Todes) nötige
Ritual des Trauerns seine Bedeutung. Dardurch wird der Tod
"unverdaulich",
unfassbar, eine unbegreifliche, fremde Größe. Das Fremde
wird in der ( archaischen und modernen) Kultur, wenn es nicht
anders
begreifbar gemacht werden kann, häufig dämonisiert, mythologisiert,
mystifiziert und "monsterisiert".
Da
das Fremartige weder emotional noch verstandesmäßig zu fassen
ist, wird es durch die bildhaft-körperliche Transformation zu
einem
phantasmisch sichtbaren Dämon, Monster, Ungeheuer materialisiert und
kann damit als spezifisches körperliches und mit
bestimmten
Eigenschaften ausgestattetes Wesen (be-)greifbar gemacht werden. Der an
sich nicht sichtbare Tod erscheint in der sicht-
und
fassbaren Form der Verkörperung des lebendigen Todes: des Zombie.
Der
Verlust von Willen, Emotionen und Gründen, wie sie für den Zombie
typisch ist, wird in "Dawn of the Dead" als reaktives Produkt
einer
gesellschaftlich vorherrschenden Undurschaubarkeit der Emotionen thematisiert.
Der Zombie ist demnach die Avantgarde dieser
Degeneration.
Obwohl er aktiv ist, fehlen ihm der zentrale Wille und die emotionale Unmittelbarkeit
des Menschen.
Er
ist die unsterbliche Körpermaschine end- und sinnloser Gewalt . Zudem
bedeutet seine Gewalt eine Art "verfemter Teil" des
brutalen
Exzesses der (Bataille`schen) Souveränität nutzloser Ausschweifung:
Obwohl er nie Hunger hat, beißt er die anderen zu
Tode.
Wer
vom Zombie gebissen wird, wird selbst ein Zombie. Da die Umwandlung zum
Zombie aber mehr noch als dessen Gewalt
die
grösste Furcht in der Bevölkerung auslöst, kann man
sich nur durch Selbstmord retten. Der Selbstmord ist in der sinnlosen,
von
mörderisch
aggressiven Zombies dominierten Welt die letzte sinnstiftende Geste und
zugleich die einzige Möglichkeit, die menschliche
Subjektivität
vor ihrer durch die Umwandlung in einen lebenden Toten drohenden Auslöschung
zu retten.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
2. Ursprung und Entstehung des Zombies
Geheimgesellschaften
und der erste massive Einsatz von tödlichen Giften
Die
französische Kolonialisierung Haitis im 18.Jahrhundert.
1740
floh ein Sklave namens Marcandal von einer Plantage bei Limbe.
Seit seiner Flucht bestand sein einziges Ziel in der
Vernichtung
des mit ungeheurer Grausamkkeit gegen die Sklaven vorgehenden Kononial-Regimes.
Sechs Jahre lang arbeitete
Marcandal
an seinen Plänen zum Sturz der Plantagenbesitzer und Machthaber.
Marcandal
suchte Früchte, Eidechsen, Insekten, deren Substanzen die alten, erfahrenen
Bauern seines Dorfes anschließend auf ihre
Brauchbarkeit
für einen "Biowaffen"-Krieg gegen die herrschenden Mächte untersuchten.
Bald
wurde ein geeignetes Gift gefunden. Zusammen mit seinen Mitstreitern verbreitete
Marcandal dieses Gift auf den Plantagen und
Feldern
der Kolonialherren. Die Plantagen-Besitzer schleppten es von den Feldern
in ihre eigenen Häuser ein.
Zudem
bildeten sich bald darauf immer mehr Banden von sogenannten
Maronnegern (oft bestehend aus geflohenen Sklaven),
die
gegen die Invasoren kämpften.
Sie
plünderten, vergifteten, brandschatzten die Plantagen und Dörfer
der französischen Kolonialisten.
Durch
den Krieg zwischen Frankreich und dem mit England verbündeten
Spanien (1993) änderte sich die Lage auf Haiti von Grund auf.
Die
Maronneger verbündeten sich mit den spanischen Invasoren. Daraufhin
waren die Franzosen gezwungen, mit den Maronegern zu
verhandeln.
1793
wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft, jedoch nur zur Besänftigung
der schwarzen Bevölkerung. Die repressive
Wirtschaftsordnung
blieb jedoch erhalten.
Bereits
1997 hatten die Franzosen unter Führung des ehemaligen Sklaven Toussaint
erneut die völlige Herrschaft in Haiti inne.
Napoleon
befahl Toussint daraufhin, die letzten Maronnegerbanden zu vernichten.
Doch
deren Kampf ging weiter. Es entstanden Geheimgesellschaften, die die Erhaltung
der Kultur und Religion der haitischen
Bevölkerung
zu ihrem Ziel machten und die Widerstandsbewgungen organisierten.
(Seitdem
sind die Geheimgesellschaften die wichtigsten eigenständigen
Hüter der haitischen Kultur und ihrer Religion.)
Nach
dem Ende der französischen Besatzung gab es für die Einheimischen
neue Feinde in Form der nun existierenden (
teilweise
inzwischen auch aus Schwarzen bestehenden ) Regierung, die weiterhin, wenn
auch mit anderen Mitteln gegen das Volk
arbeitete
.
Die
Maronneger gingen daraufhin mit dem Ziel in den Untergrund , die haitische
Urkultur und Religion vor der Vernichtung
durch
die Pseudo-Volksvertreter zu schützen.
Die
in dieser Zeit entstandenen Untergrundgruppen sind die Vorläufer der
heutigen Geheimgesellschaften (den Bizango-Gesellschaften).
Sie
kämpften für die Machtbefugnisse der lokalen Gemeinden und gegen
den Einfluss fremder, kulturdestruktiver und okkupativ
vorgehender
Gruppen.
Seitdem
hat sich das Mittel der Vergiftung als eine Kriegswaffe der Voodoo-Anhänger
durchgesetzt. Die Geheimgesellschaften
entwickelten
eine eigene Wissenschaft von den Giften, sodaß sie in der Lage sind,
je nach Erfordernissen zwischen tödlichen und
Zombiegiften
auszuwählen. Dabei besitzt der zum Zombie Verurteilte denselben
gesellschaftsfeindlichen Status wie die früheren
französischen
Plantagenbesitzer, da der Grund für seine Verwandlung in einen Zombie
darin besteht, der einheimischen haitischen
Bevölkerung
und ihrem kulturellen Ethos maßgeblichen Schaden zugefügt zu
haben.
Das
Geheimnis der Gifte (und Gegengifte) wird innerhalb der Geheimgesellschaften
von Generation zu Generation weitergegeben.
3. Vodoun-Kultur
Voodoo sein
Das
Wort Voodoo kommt aus der französischen Fon-Sprache von Dahomey (
dem heutigen Benin ) und Togo. Es verweist nicht auf bösen
Zauber,
sondern bedeutet lediglich "Gott" oder "Geist". Erst durch
die zivilisatorischen Medien wurde das Wort mit schwarzer Magie und
Zauberei
in Verbindung gebracht, bis es zum Synonym für bösen schwarzen
Zauber wurde, der dann je nach ethischer Perspektive positiv
oder
negativ kanonisiert werden kann.
Für
die den Voodoo anrufenden haitischen Bauern gibt es Voodoo nicht als Religion.
Das verwandte Wort Vodoun bedeutet ein Tanzritial,
in
dessen Verlauf die Geister kommen und von den Gläubigen Besitz ergreifen,
sodaß sie besessen sind.
Übt
man seine Religion aus, dient man dem"Loa",- den Geistern. Der menschliche
Körper ist das Gefäß des Gottes Loa.
Die
Religion des "Loa" ist dabei -ethisch betrachtet- nicht minder eine vollwertige
Religion wie z.B. die des Christentums .
Ein
wesentlicher Unterschied: Während der Christ in die Kirche geht, um
mit sich und mit Gottes irdischen Abgesandten über Gott zu
sprechen,
tanzt der Vodoun-Jünger im Hanfour, um Gott zu werden. Er nimmt Gott
in seinen Körper auf.
Der
Houngan-Priester
Zentrum
der Voodoo-Gemeinschaft ist der Houngan-Priester.
Da
Religion und Wissenschaft eine enge Verbindung eingehen und nicht in zwei
spezielle Kompetenzbereche getrennt werden, sind
Arzt
und Priester ein und dieselbe Person. Die Trennung in Wissenschaft und
Religion , wie sie in den industrialisierten Länderrn
normal
ist liegt in der ausgeprägten Teilung von Ratio und Gefühl begründet
, zudem in der Interpretation der Wissenschaft als
für
die reale Welt alleingültige Instanz und nicht etwa als die hypothetische
Variante einer grundsätzlich mystisch-spirituellen
Weltwahrnehmung.
In
der Kultur des Loa-Gottes werden Körper (Wissenschaft) und Seele (Religion)
jedoch als Einheit betrachtet.
Jede
Form der Krankheit wird deshalb nicht der destruktiven Wirkung von Erregern
zugeschrieben, sondern einer Gleichgewichtsstörung
von
Physis und Psyche. Krankheit bedeutet Zerissenheit, Gesundheit hingegen
Harmonie.
Der
Tod tritt ein, wenn die verschiedenen, für die Herstellung des Gleichgewichts
notwendigen Komponenten getrennt sind, wenn das
Gleichgewicht
länger außer Kraft gesetzt ist, ein Zustand, wie er für
den in der Industriegesellschaft lebenden Menschen häufig ganz
normal
ist und innerhalb der zivilisatorischen Kultur sogar zu dessen
intellektuell-kultureller Entwicklung führen kann.
4. "Zombiefizierung"
Die Verurteilung zum Zombie
Die
Verurteilung zum Zombie ist eine Strafe, die als grausamere Variante der
Todestrafe angesehen werden kann. Während bei der
gewöhnlichen
Todestrafe dem Opfer nach einer mehr oder weniger langen Wartezeit
in der Todeszelle im Moment der endlich voll-
zogenen
Hinrichtung in wenigen Sekunden das organische Leben genommen wird,
ist der Zombie nur zu einem Teil-Tod verurteilt:
Obwohl
- für das Leben unabdingbarer- Elemente wie Willen, Individualität
und Charakter beraubt, muß er als physisches Wesen
weiterexistieren
und fristet die trostlose Existenz einer affektlosen Körpermaschine,
die nurmehr der Sklave fremder Mächte ist.
Denn
er kann arbeiten und sich bewegen, sein Wille, sein Charakter und sein
Sprachvermögen sind jedoch zerstört. Als Sklave
arbeitet
der Zombie auf einer eigens für lebende Tote geschaffenen Plantage,
bis sein Fleisch zerfällt, nachdem in ihm alle anderen
außer
den körperlich-funktionalen Eigenschaften bereits zerstört worden
sind.
Da
er zudem im Verlauf seines psychotisierenden Wiedererweckungsdeliriums
auch sein Gedächtnis verloren hat, lebt er ohne
Erinnerung
in der ewigen (Zombie-)Gegenwart.
Jeder,
der eines unnatürlichen Todes stirbt, also nicht durch Alterung aus
dem Leben scheidet, kann nach der Religion des Loa-Voodoo
als
Zombie wiedererweckt werden. Um die Umwandlung eines unnatürlich
verstorbenen Familienmitglieds zum Zombie zu verhimdern,
töten
die Familienmitglieder ihren Angehörigen ein zweites Mal. Es kommt
auch vor, dass die Gräber noch tagelang von Angehörigen
bewacht
werden.
Ein
unatürlicher Tod macht zwar noch keinen Zombie, aber erzeugt die Voraussetzungen(
Trennung von Körper und Seele) für die mögliche
Transformation
zum Zombie.
Deshalb
fürchten die Voodoo-Anhänger den unnatürlichen Tod,
nicht wegen dessen Endgültigkeit, sondern weil er ein Übergangsstadium
bedeutet,
das zur Zombifizierung durch einen Zauberer führen kann. Warum die
als Strafe gedachte Form der Zombie-Verwandlung
auch
bei eines unnatürlichen Todes Verstorbenen (der sich nicht zwangsläufig
eines Vergehens schuldig gemacht hat ) angewendet wird,
bleibt
ungeklärt. ( Möglicherweise bedeutet ein unnatürlicher Tod
ein Vergehen gegen Gott und seinen biologischen Entwurf des natürlichen
Lebensendes.)
Juristische
Vorbereitungen
Wenn
jemand, weil er gegen die Regeln des Zusammenlebens verstoßen hat,
sterben und in einen Zombie verwandelt werden soll, wird der
Kaiser
der der Bizangogesellschaft und daraufhin die Regierung befragt.( Die Bizango-Präsidenten
arbeiten eng mit der Regierung
zusammen
bzw die Regierung arbeitet mit der Bizango-Gesellschaft zusammen,
weil diese im Volk verwurzelt ist und dort ihre ethische
Legitimität
und ihr Einfluss fest verankert ist. )
Dem
Kaiser werden die Gründe für die anstehende Verurteilung genannt.
Wenn der Kaiser der Verurteilung zustimmt , wird der zu
Verurteilende
vor das Bizango- Gericht gebracht.
Gründe
für die Verurteilung
1, Ehrgeiz,
ungehemmte materielle Bereicherung
2,
Mangel an Achtung gegenüber Mitmenschen
3,
Verunglimpfung der Bizangogesellschaft
4,
Entführung der Ehefrau eines anderen Mannes
5,
Verleumdung
6,
Schädigung von Familienmitgliedern
7,
Landstreitigkeiten, Hinderung anderer, ihre Felder zu bestellen.
Der Tod
Wenn
gewisse Gehirnzellen auch nur wenige Sekunden ohne Sauerstoff sind, sterben
sie ab und gehen ihrer Funktion für immer verlustig,
da
Gehirnzellen sich nicht regenieren. Die primitiveren Teile des Gehirns,
also die, die die lebenswichtigen Körperfunktionen kontrollieren,
können
längere Zeit ohne Sauerstoff auskommen. Unter gewissen Umständen
verliert ein Individuum dabei seine Persönlichkeit, also den
Teil
des Gehirns, von dem das Denken und die vom Willen gesteuerten Bewegungen
abhängen und bleibt zugleich physisch am Leben, weil
lebenswichtige
Zentren noch intakt sind.
Die
Vergiftung
Ein
Zombie wird selten durch einen magischen Akt geschaffen, sondern durch
ein ausgewähltes Gift.
Das
Gift wird auf den Boden seiner Türschwelle gestreut oder auf stachlige
Früchte, die dem Opfer in dessen Weg gelegt werden.
Weitere
Varianten: Das Gift läßt man über den Rücken des Opfers
rieseln oder gibt es in dessen Schuh.
Das
Gegengift erweckt nicht von den Toten, sondern verhindert den körperlichen,
also endgültigen Tod, da der Tod der Individualität
bereits
eingetreten ist.. Innerhalb von 15 Tagen nach der Vergiftung muß
das Gegengift verabreicht werden, sonst stirbt der Verurteilte.
Der
Zustand des Schein-Todes gleicht dem Nahtod-Erlebnis: ein Schwebezustand
über dem eigenen Körper, bei Verlust des Zeitgefühls,
aber
bei vollem Bewußtsein.
Das
Gegengift (z.B. Datura) wird u.a. mit einem Bambusrohr über
den ganzen Körper geblasen und versetzt das Opfer in ein
psychotisches
Delirium
Das
Tetrodotoxin-Gift
Tetrodotoxin
(kurz TTX) ist ein Nervengift, welches vor allem beim Kugelfisch, aber
auch bei Blaugeringelten Kraken (Hapalochaena
spec.)
oder dem kalifornischen Molch Taricha torosa vorkommt. Die Tiere bilden
es jedoch nicht selbst, sondern es ist in den Algen
enthalten,
die sie fressen; sie selbst sind immun dagegen. Es handelt sich um ein
Alkaloid aus der Imidazolan- und Pyrimidingruppe.
Es konnte
erstmals 1950 aus Ovarien isoliert werden, wobei die Isolierungsversuche
bereits seit 1909 andauerten. 1963 konnte erstmals
die
Struktur des Tetrodotoxins aufgeklärt werden. In Aceton ist es löslich,
in Wasser nur schlecht. Die Biosynthese des Tetrodotoxins ist
noch
nicht aufgeklärt, es wird angenommen, das die meisten Tiere es nur
aus externen Quellen erhalten.
Tetrodotoxin
blockiert spannungsaktivierte Natrium-Kanäle in Neuronen. Dadurch
können keine Aktionspotentiale mehr ausgelöst werden.
Das
heißt, jegliche Nerven- und Muskelerregung ist unterbunden. Die Folge
sind motorische und sensible Lähmungen. Die tödliche Dosis des
Giftes
beträgt etwa 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei der
biologischen und neurologischen Forschung wird TTX gern
verwendet,
um im Experiment selektiv Natriumkanäle zu blockieren.
Die
Symptome der Vergiftung nach einer Aufnahme des Giftes (etwa beim Verzehr
des Fugu) beginnen innerhalb einer recht kurzen Zeit
von
etwa 45 Minuten. Der Patient zeigt diverse Lähmungserscheinungen,
darunter die Lähmung der Skelettmuskulatur und somit auch der
Atemmuskulatur,
des Weiteren fallen Koordinations- und Wahrnehmungsprobleme auf, die durch
die Lähmung von Hirnnerven
hervorgerufen
werden. Eine Beatmung und die orale Gabe medizinischer Kohle kann helfen.
Wenn der Patient die ersten 24 Stunden nach
Aufnahme
des Giftes überlebt, sind die Prognosen sehr gut.
Beispiel:
Bei Konsum der letalen Dosis von 0,5 bis 1 Milligramm auf oralem Wege tritt
die tödliche Wirkung erst nach einem gewissen
Zeitraum
ein, so dass eine Rettung der Opfer meist noch möglich ist. Wird das
Gift jedoch intravenös injiziert, so wird in Folge schneller
Ausbreitung
das gesamte Nervensystem lahmgelegt und der Betroffene erliegt nach kurzer
Zeit einer Atemlähmung.
Tetrodotoxin
wird auch in gewissen Kulten genutzt.
Zwei Arten von Zombies
Geist-Zombie,
oder der Zombie des ti bon ange:
Der
Geist-Zombie wird in einem Gefäß aufbewahrt und später
durch Magie in ein Insekt, ein Tier oder einen Menschen verwandelt, um
die
speziellen
Arbeitswünsche des Bokor zu erfüllen.
Der
Körper-Zombie oder der Zombie Cadavre:
Beim
Zombie Cadavre existieren die übrigen spirituellen Komponenten des
Menschen noch, u.a. der sogenannte N`ame ( Der Geist des
Körpers,
der für das Funktionieren jeder einzelnen Körperzelle sorgt.
Den ti bon ange (Willen, Seele, Charakter) hat er jedoch verloren.
Die
Wiedererweckung des Zombie Cadavre erfordert fundierte Kenntnis der Magie.
Der Bokor muß die Transformation der seelischen
Komponenten
verhindern, die normalerweise mit dem Tod des Körpers einsetzen.
Der
ti bon ange, der als phosphoreszierender Schatten über dem Körper
schweben kann, muß gefangen und gehindert werden, in den
Körper
des Opfers zurückzukehren. Deshalb wird der Zombie nach der Wiedererweckung
geschlagen und nicht etwa aus dem Grunde,
um
ihn für sein kommendes Sklaven- Dasein gefügig zu machen
und zu demütigen.
Der
Bokor und die Verwandlung in einen Zombie
Ohne
Bokor gäbe es keine Zombies, denn der Bokor ist zuständig für
die Vergiftung, die Verabreichung des Gegengiftes und die
Wiedererweckung
des (Schein-)Toten.
Um
einen Zombie zu erschaffen, muß der Bokor den t bon ange (Willen,
Seele, Charakter) gefangennehmen.
Dies
tut er entweder (und eher selten) durch Zaubersprüche oder (
zumeist ) durch ein Gift. Das Gift enthält Tetrodotoxine, die den
Stoffwechsel
des Opfers drastisch herabsetzen, bis fast an die Grenze des klinischen
Todes.
In
vielen Fällen stirbt das Opfer am Gift oder erstickt im Sarg. Bei
richtiger Dosis erwacht das Opfer oder kann durch ein Gegengift
wiedererweckt
werden und wird dann vom Bokor und seinen Gehilfen aus dem Grab geholt
oder mit seinem Namen gerufen , sodaß es
daraufhin
selbst aus dem Grab entsteigt.
Das
Opfer, zumeist noch traumatisiert, wird vom Bokor und zwei Gehilfen gefesselt,
und vor ein Kreuz geführt, dort erhält es einen neuen
Namen.
Danach muß es einen Brei essen, der eine hohe Dosis einer psychoaktiven
Droge (der Zombie-Gurke) erhält, worauf es
Gedächtnisverlust
und Desorientierung erleidet.
In
diesem Rausch wird der Zombie daraufhin in die Nacht entführt.
Wolfram Hasch
5.
Wichtige Begriffe:
Bokor:
Zauberer
Corps
cadavre: Der Körper, das Fleisch und das Blut, im Gegensatz
zur Seele
Dessounin:
Das Ritual, bei dem der ti bon ange und der Geist, oder Loa, vom Körper
getrennt werden.
Esprit:
Der Geist oder die Seele des Toten
Gros
bon Ange: "Grosser guter Engel"; der Teil der Vodoun-Seele, der alle
fühlenden Wesen ausmacht; Teilhabe der
unermeßlichen kosmischen Energie, der dem Individuum innewohnt
Hounfour:
Vodoun-Tempel. Bezeichnet sowohl das Gebäude als auch den Gläubigen,
der darin arbeitet.
Ti
bon ange: "Kleiner guter engel". teil,
der Seele, der für Willen und Charakter und Individualität verantwortlich
ist.
N`ame:
Der Geist des Körpers, der für das Funktionieren jeder einzelnen
Körperzelle sorgt.
Zombie
Savane: Ex-Zombie, der durch die Erde gegangen ist und zurückgekommen
ist.
Vodoun:
Die theologischen Prinzipien und die Praxis der traditionellen haitischen
Gesellschaft.
Zombie
Astral: Zombie des ti bon ange. Ein Teil der Seele, der
nach dem Willen desjenigen umgeformt werden kann,
der sie in Besitz hat.
|