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"D e r M o m e n t k u r z v o r d e m E n d e " "Paroxysmus"-Gespräche zwisch Philippe Petit und Jean Baudrillard, erschienen im Passagen-Verlag Nachdem der französische Philosoph
Jean Baudrillard erst im letzten Jahr in dem im Merve-Verlag erschienenen
Buch "Passwörter" einen erklärenden Überblick über
seine Theoreme gegeben hat, sind -ebenfalls im letzten Jahr- im Passagen-Verlag
Gespräche erschienen, die der Journalist Philippe Petit mit
Jean Baudrillard über zahlreiche Sujets wie Fotographie, die
Kindheit der Kunst oder das Nullsummenspiel der Virtualität geführt
hat. Auch hier werden- nicht in der Selbsterläuterung, sondern im
erklärenden Dialog- viele der grundlegenden
Nach Baudrillards Auffassung enthält
die Totalität des Virtuellen, obwohl letzteres bereits selbst eine
Apokalyse darstellt, uns das reale Ereignis der Apokalyse vor und erzeugt
dadurch ein in fast völliger Statik verharrendes Paradox, "aber wir
müssen bis zum äußersten des Paradoxen gehen."
Ein ebenfalls radikal singulares Ereignis ist für Jean Baudrillard das Schreiben, weil es sich den - mit bloß zerstreuenden Kommunikationsweisen ihre technische Machbarkeit demonstrierenden- Interaktionsnetzen entzieht, zum physischen Akt wird und - im günstigen Falle- zugleich andere Wirklichkeiten als "das Reale" entwirft: "Es gibt jedenfalls nichts, was dem Denken und dem Schreiben mehr entgegengesetzt wäre als seine Ausführung in Echtzeit auf dem Bildschirm bzw auf dem Computer.Schreiben beruht auf einer strikten Trennung des Bildschirms und des Textes.Schreiben bedarf eines klaren Blicks und einer Distanz.Auch mit der Schreibmaschine sehe ich noch die Seite und habe eine körperliche Beziehung zum Schreiben ." Auch Baudrillards "Behauptungen" vom grundlegenden Illusionscharakter des Realen werden im Gespräch mit Philippe Petit erneut klar. Als der kleinste gemeinsame, kommunzierbare Nenner des Seins sei "das Reale" immer nur eine unter vielen möglichen Varianten des Imaginären gewesen und habe sich mittels einer - jede Illusion sofort materialisierenden- Technologie zunächst als alleingültig durchgesetzt,totalitarisiert und daraufhin durch seine umfassende Virtualisierung als Realität ausgelöscht, indem es selbst eine von unzähligen medialen Fiktionen geworden ist.Auf seinem Höhepunkt sei es nun nur noch die leere Karikatur seiner ursprünglichen Absichten , die sich in zahllosen Varianten auf immer dieselbe ereignislose Weise ununterbrochen wiederhole. Man darf auf kommende Analysen des französischen Denkers gespannt sein, denn trotz eines mehrfach geäußerten Überdrusses gegenüber seinen eigenen Begriffen bleibt für Jean Baudrillard "die Simulation" weiterhin ein brisantes Feld für seine analytischen Untersuchungen, schließlich gehe es "nicht um den richtigen oder falschen Gebrauch der Information.Ich versuche herauszufinden, wie die Sphäre der Information sich selbst verurteilt, gegen ihre eigenen Grundsätze verstößt, sich in einer fatalen Mechanik selbst zerstört. Sie zerstört zuerst das Ereignis und dann zerstört sie sich selbst als Ereignis. Sie ist ein gewaltiges Nullsummenspiel." Jenseits dieses "Nullsummenspiels"
favorisiert Baudrillard eine Praxis der Singularität: eine von Referenz
und Bedeutungabsicht freie Fotografie gehört dazu ebenso wie der Akt
des Schreibens oder ein Gespräch jenseits der Welt der digitalen
Kommunikationsnetze.
Jean Baudrillard"Paroxysmus", Passagen-Verlag 2002,
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